Social Media Buttons DSGVO konform einbinden — So geht es richtig
Standard-Social-Buttons von Facebook, Instagram und Co. übertragen bei jedem Seitenaufruf Daten an die Plattformen — auch wenn der Besucher gar nicht klickt. Ohne Einwilligung ist das ein klarer DSGVO-Verstoß.
Abmahnungen wegen Facebook-Buttons sind Alltag
LG München (3 O 17493/20): Facebook-Like-Button ohne Einwilligung ist rechtswidrig. EuGH (C-673/17, „Planet49“): Einwilligung muss durch aktive Handlung erfolgen.
Das Problem: Was passiert bei Standard-Buttons?
Beim Laden einer Seite mit Standard-Social-Buttons werden automatisch IP-Adresse, Referrer, User-Agent und Cookies an die Social-Media-Server übertragen. Facebook, Instagram & Co. nutzen diese Daten für webseitenübergreifendes Tracking und personalisierte Werbung — ohne Zustimmung des Nutzers.
Das betrifft insbesondere den Facebook Like-Button, den Instagram-Feed-Embed, den Twitter/X Tweet-Button und den LinkedIn Share-Button. All diese Widgets laden beim Seitenaufruf externe JavaScript-Dateien und setzen Cookies — bevor der Besucher überhaupt interagiert.
Rechtliche Grundlage: Warum ist das ein Problem?
Nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO brauchen Sie für die Verarbeitung personenbezogener Daten eine Einwilligung, wenn kein anderer Rechtsgrund greift. Die Übertragung von IP-Adressen und Cookies an Dritte wie Facebook ist eine solche Verarbeitung. Ohne vorherige Einwilligung liegt ein Verstoß gegen die DSGVO vor.
Das § 25 TTDSG (Telekommunikation-Telemedien-Datenschutz-Gesetz) verschärft die Lage zusätzlich: Jeder Zugriff auf das Endgerät des Nutzers (z.B. durch Cookies) erfordert eine Einwilligung — es sei denn, er ist technisch notwendig. Social-Media-Buttons sind das definitiv nicht.
Lösung 1: Die 2-Klick-Lösung mit Shariff (Empfohlen)
Shariff wurde von c't (Heise Verlag) entwickelt — speziell für DSGVO-Compliance. Zunächst werden nur Platzhalter-Bilder angezeigt. Erst bei Klick erscheint ein Hinweis, dann wird der echte Button nachgeladen. So findet keine Datenübertragung vor der aktiven Handlung des Nutzers statt.
WordPress: Plugin „Shariff Wrapper“ installieren → Einstellungen → Dienste wählen (Facebook, Twitter, LinkedIn, WhatsApp etc.) → Position auswählen (vor/nach Inhalt) → Fertig. Das Plugin ist Open Source, kostenlos und unterstützt über 20 Dienste.
Für Entwickler: Shariff gibt es auch als npm-Paket (npm install shariff). Die JavaScript-Bibliothek funktioniert mit jedem CMS oder statischen Website-Generator. Der Shariff-Backend-Server zählt Shares serverseitig, ohne dass der Browser des Nutzers die Social-Media-APIs kontaktiert.
Lösung 2: Einfache Share-Links (ohne JavaScript)
Die datenschutzfreundlichste Variante: Normale HTML-Links, die auf die Share-Funktionen der Plattformen verlinken. Es wird kein JavaScript eingebunden, keine Daten werden vor dem Klick übertragen.
Beispiel-URLs für Share-Links:
- • Facebook:
https://www.facebook.com/sharer/sharer.php?u=IHRE-URL - • Twitter/X:
https://twitter.com/intent/tweet?url=IHRE-URL&text=TITEL - • LinkedIn:
https://www.linkedin.com/sharing/share-offsite/?url=IHRE-URL - • WhatsApp:
https://wa.me/?text=IHRE-URL - • E-Mail:
mailto:?subject=TITEL&body=IHRE-URL
Diese Links öffnen sich in einem neuen Tab — der Nutzer entscheidet selbst, ob er teilen möchte. Kein Tracking, keine Cookies, keine Einwilligung nötig.
Lösung 3: Follow-Buttons als einfache Links
Statt der offiziellen Follow-Widgets (die ebenfalls tracken) nutzen Sie einfache <a>-Links zu Ihren Profilen. Wichtig dabei:
- • Icons lokal hosten: Laden Sie SVG-Icons herunter und binden Sie sie von Ihrem eigenen Server ein — nicht von CDNs wie Font Awesome (das ebenfalls trackt)
- • Attribute setzen:
target="_blank" rel="noopener noreferrer"bei allen externen Links - • Keine iFrames: Betten Sie niemals Instagram-Feeds, Facebook-Seiten oder Twitter-Timelines per iFrame ein
YouTube-Videos DSGVO-konform einbetten
Das Standard-YouTube-Embed (youtube.com/embed/...) setzt Cookies und überträgt Daten an Google — das ist ohne Einwilligung nicht konform. Sie haben drei Optionen:
- 1. youtube-nocookie.com: Nutzen Sie
youtube-nocookie.com/embed/...stattyoutube.com/embed/.... Das reduziert Cookies, überträgt aber weiterhin die IP-Adresse - 2. 2-Klick-Lösung: Zeigen Sie zunächst ein Vorschaubild. Erst nach Klick und Hinweis wird das Video geladen
- 3. Content-Blocker: Cookie-Banner-Plugins wie Borlabs Cookie oder Real Cookie Banner bieten automatische YouTube-Content-Blocker, die Videos erst nach Einwilligung laden
Datenschutzerklärung anpassen
Wenn Sie Social-Media-Buttons einsetzen — selbst mit 2-Klick-Lösung — müssen Sie dies in Ihrer Datenschutzerklärung dokumentieren. Pflichtangaben nach Art. 13 DSGVO:
- • Welche Dienste eingebunden sind (Facebook, Twitter, LinkedIn etc.)
- • Welche Daten übertragen werden (IP, Cookies, Referrer)
- • Die Rechtsgrundlage (Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO)
- • Hinweis auf Drittlandtransfer (USA) und das EU-US Data Privacy Framework
- • Widerrufsmöglichkeit (Cookie-Einstellungen erneut öffnen)
Mehr dazu: Datenschutzerklärung erstellen — Anleitung & Muster.
Checkliste
- ☐ Keine Standard-Buttons von Facebook/Instagram/Twitter
- ☐ Shariff oder 2-Klick-Lösung nutzen
- ☐ Content-Blocker für Social-Media-Einbettungen
- ☐ YouTube mit 2-Klick oder youtube-nocookie.com
- ☐ Icons lokal gehostet
- ☐ Datenschutzerklärung ergänzt
- ☐ Follow-Links als einfache Links
Die 3 sichersten Optionen
1. Shariff (Open Source, kostenlos, DSGVO-konform). 2. Einfache Share-Links (maximal datenschutzfreundlich). 3. Content-Blocker via Cookie-Banner-Plugin.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind einfache Link-Buttons zu Social Media DSGVO-konform?
Ja. Einfache HTML-Links (ohne JavaScript-Einbindung oder iFrames) übertragen keine Daten an die Plattformen, solange der Nutzer nicht klickt. Sie brauchen dafür weder Cookie-Banner noch Einwilligung. Hosten Sie die Icons lokal und verwenden Sie rel="noopener noreferrer".
Muss ich Social-Media-Buttons in der Datenschutzerklärung erwähnen?
Bei einfachen Links: nein. Sobald Sie jedoch Widgets, Plugins oder die 2-Klick-Lösung (nach Klick werden externe Scripte geladen) einsetzen, müssen Sie dies in der Datenschutzerklärung dokumentieren — inklusive Zweck, Rechtsgrundlage und Hinweis auf Drittlandtransfer.
Was ist mit WhatsApp-Share-Buttons?
Ein einfacher wa.me-Link ist unproblematisch — er öffnet lediglich die WhatsApp-App mit einer vorausgefüllten Nachricht. Verwenden Sie jedoch kein WhatsApp-Widget, das JavaScript nachlädt oder Nutzerdaten an Meta überträgt.
Gilt die 2-Klick-Lösung auch für eingebettete Instagram-Posts?
Ja. Eingebettete Instagram-Posts laden externe Scripte von Meta-Servern und setzen Cookies. Nutzen Sie entweder einen Content-Blocker (über Ihr Cookie-Banner-Plugin) oder zeigen Sie zunächst ein Vorschaubild mit Hinweis und laden den Embed erst nach Einwilligung.
Social-Media-Tracking auf Ihrer Website? Jetzt prüfen.
Unser Scanner erkennt problematische Social-Buttons automatisch.
Jetzt Website prüfen